"Auf Tauchstation"

 

Liebe Leserin, lieber Leser,

kennen Sie diese Situation, dass Sie den drängenden Impuls haben, etwas zu tun? Sie wissen genau, dass es „richtig“ ist,  - Sie wissen nur nicht, warum?   O.k.  – Ich glaube, jeder, der von unserer Art ist, weiß, dass es nicht einfach ist, seinem inneren  Gefühl zu folgen, wenn der Verstand gerade Pause macht – und dass es eine große Portion Vertrauen erfordert…

 

Aber kennen Sie auch das Gegenteil?  Sie wissen genau, dass Sie sich plötzlich „ruhig“ verhalten sollen, „nichts tun“, „abtauchen“, - quasi „unsichtbar werden“ und sich für eine Weile in Ihre „Höhle zurückziehen“, -  aber Sie haben keine Ahnung, warum?

Wie wenn die Mutter zu ihrem Kind sagt: „Jetzt nicht!“ – Oder wie in dem Bambi-Film, den Sie sicher kennen: Bambi, jung und unternehmungslustig, will auf die Waldlichtung springen, aber seine Mutter wird plötzlich sehr energisch: „Bleib, wo Du bist!  Duck Dich!  - Geh zurück! - Jetzt nicht!“  Und Bambi hat keine Ahnung, warum, - aber es gehorcht, während seine Mutter „sichert“  und den Überblick behält …  

 

So ähnlich ging es mir in den vergangenen Tagen! Nach mehreren Wochen intensiver Arbeit auf allen Ebenen wurde mir plötzlich absolute Ruhe verordnet.  Es hatte alles gut „funktioniert“, was ich da zu regeln gehabt hatte, und ich hatte alles wirklich gut hinbekommen. Ich konnte wirklich sehr zufrieden mit mir sein! Und dann – ohne Vorwarnung – war plötzlich alles anders!

Bei den Urlaubsvorbereitungen für eine Woche an der Ostsee stand ich mir plötzlich ständig selbst im Weg. Für alles, was ich in die Hand nahm, brauchte ich doppelt so lang, und hatte ständig das unwiderstehliche Bedürfnis, mich hinzulegen und auszuruhen… Schon von den kleinsten Kleinigkeiten fühlte ich mich überfordert, brauchte nur noch Ruhe, Pause, Couch. Dabei hatte ich mich doch so auf den Urlaub gefreut…

 

„Wie peinlich!“, dachte ich. „Streng Dich mal ein bisschen an!“, „Was soll denn Dein Mann von Dir denken? – Ihr habt verabredet, nachher zu fahren, - und Du wirst nicht fertig!“  Ich kam mir vor wie ein Versager.  Ich wusste, mein Mann  brauchte den Urlaub  dringend. Aber ich wurde einfach mit meinem Teil der Vorbereitungen nicht fertig. Meine „Obere Leitstelle“ hielt konsequent den Mund, obwohl ich keine Ahnung hatte, was das Ganze sollte, - und auch meine Organisationsengel schienen gerade Ausgang zu haben. Ich konnte und wollte das Verhalten meines Körpers nicht akzeptieren, der mir nach einer Stunde Arbeit immer  sofort wieder eine Stunde „Couch“ verordnete. 

 

Es lief darauf hinaus, dass meine Mann schließlich alleine fuhr. Ich blieb hier. Das einzige, was ich erkannt hatte war, dass Wegfahren in dieser Situation für mich absolut unmöglich gewesen wäre. Ich hatte keine Wahl!  Natürlich tat ich mir selber leid!  Das einzige, was ich tun konnte, war, darauf zu vertrauen, dass das alles (hoffentlich!) einen Sinn hatte, den ich zum jetzigen Zeitpunkt einfach nicht erkannte. Aber wenn ich ehrlich bin, zweifelte ich in diesem Augenblick an allem und fühlte mich völlig verwirrt!   (Fortsetzung folgt!)

 

Mit herzlichen Grüßen

Christine Stark

27.August 2011